Internationaler Neofaschismus und seine Folgen für die internationale Gemeinschaft

Am Montag, den 30. Juni 2025, fand die letzte Veranstaltung der Hochschulgruppe für Außen- und Sicherheitspolitik in diesem Semester statt: den Abschluss bildete ein weiterer studentischer Vortrag von Nele Söhnlein zu neuen und alten Mustern der modernen Rechten des internationalen Neofaschismus. Als Fallstudie blickte sie in die USA.

© HSG Jena.

Söhnlein leitete in ihren Vortrag durch den gerade bei diesem Thema sehr wichtigen historischen Hintergrund des Faschismus ein. Sie betonte die marxistischen und liberalen Interpretationen sowie die bedeutende Zwischenkriegszeit. Hier können zentrale Eigenschaften des Faschismus festgestellt werden: Revolutionärer Antiliberalismus, Kult der eigenen Nation, autoritäre Führung, Massenmobilisierung, Militarismus und allgemeine Gewalt und totalitäre Aspirationen. 

 

Beim Neofaschismus handele es sich kurz gesagt um den Faschismus nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Der Faschismus sei dabei nicht verschwunden, sondern viel mehr in neue Formen übergegangen, sodass der Neofaschismus zwar auf Kernelementen des Faschismus aufbaue, aber nicht vollständig gleich sei. Als Beispiel dient das Movimento Sociale Italiano (MSI), welches von Unterstützern von Mussolini im Jahr 1946 in Italien gegründet wurde. Im Laufe der Zeit entwickelten sich daraus die Alleanza Nazionale (AN), gegründet 1995, und die noch heute aktive und momentan die Ministerpräsidentin Italiens stellende Fratelli d’Italia (FdI), gegründet 2012.

 

Heute übernehmen überwiegend digitale Plattformen die für den Neofaschismus wichtige Aufgabe der Verbreitung, sodass das „Neo“ an Bedeutung gewinnt. Gleichzeitig können zwischen der Propaganda der 1930er Jahre und der Rolle von digitalen Plattformen der heutigen Zeit strukturelle Parallelen gefunden werden. Folgen des mittlerweile koordinierten Vorgehens des Neofaschismus seien unter anderem eine Erosion des Multilateralismus und der internationalen Kooperation sowie eine Förderung des Ethno-Nationalismus und regionaler Destabilisierung. 

 

Die USA erfüllten in den letzten Jahren einige der vom Faschismusforscher Roger Griffin aufgestellten Kriterien: Durch die MAGA-Bewegung (Make America Great Again) und des Kredos „America First“ von Donald Trump werde ein Ultranationalismus ausgelebt. Trump könne zudem als Anführer bezeichnet werden, aber nicht als charismatischer Anführer. Ein revolutionärer Aktivismus sowie eine Tendenz zur Gewalt sei hauptsächlich symbolisch, doch ist es erst knapp einen Monat her, dass zwei demokratische Abgeordnete auf offener Straße ermordet wurden. Dieses Ereignis zeigt, dass die gesellschaftliche Polarisierung und Spaltung in den USA auf einem Allzeithoch sei. Ein Ideologischer Mythos, der ein Kriterium des Neofaschismus bildet, finde sich zum aktuellen Zeitpunkt zumeist nur in einigen Subkulturen wieder.

 

Insgesamt müsse die Entwicklung in den USA weiter beobachtet werden. Die konkreten Folgen für die internationale Gemeinschaft können zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht in ihrem vollen Ausmaß festgestellt werden. Doch zeigt die Entwicklung der USA auch, dass selbst die älteste Demokratie der Welt nicht vor neofaschistischen Einflüssen sicher ist.